ADS: Diagnostik und Therapie
ADS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und kann mit oder ohne
Hyperaktivität (ADHS bzw. ADS) auftreten.
Wie äussert sich ADS / ADHS ?
Symptomatik:
- "Reizhunger" (beim Hausaufgaben
machen läuft das Radio oder der Fernsehen)
- geringe Frustrationstoleranz
- starke Stimmungsschwankung
- "nicht hören", aber trotzdem
„alles mitkriegen“
- Schwierigkeiten Handlungsabläufe zu planen
und einzuhalten
- mangelhafte Strukturierung (keine Ordnung
in der Schultasche oder im Kinderzimmer)
- Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Kindern
Diagnostik
Den „ADS-Test“ gibt es nicht. Daher handelt es sich
bei der Diagnostik prinzipiell um eine Ausschlussdiagnostik. Dabei
arbeiten Kinderärzte, Psychologen, Erzieher, Lehrer und Eltern
zusammen.
Exploration und Anamnese:
Im psychologischen Beratungsgespräch werden folgende Punkte
überprüft bzw. abgefragt:
Schwangerschaftsverlauf und frühkindliche Entwicklung
Beschreibung des Problemverhaltens: „In welchen Situationen
tritt das Problem auf?“ „Wer ist beteiligt, wenn ihr
Kind das unerwünschte Verhalten zeigt?“ „Gibt es
Ausnahmen?“ Unterscheidung und Abgrenzung von Schulproblemen
und Problemen zu Hause.
Erziehungsverhalten der Eltern: „Gibt es Regeln?“ „Welche?“
„Wie verhalten Sie sich, wenn Ihr Kind eine Anordnung nicht
befolgt?“ „Wie konsequent sind Sie?“
Konzentrationsfähigkeit: „Wie schätzen Sie die Konzentrationsleistungsfähigkeit
ihres Kindes ein?“ „Wann kann es sich gut konzentrieren,
wann nicht?“
Soziale Kompetenzen: „Ist Ihr Kind in die Klassengemeinschaft
(in der Kindergartengruppe) integriert?“ „Wie gestaltet
es die Kontaktaufnahme zu anderen Kindern?“ „Hat es
(zumindest) eine feste Freundschaft?“ „Wie verhält
sich das Kind im Spiel mit anderen (dominant, sprunghaft etc.)?“
Als weiteres objektives Mittel zur Diagnostik
werden Testverfahren eingesetzt:
Überprüfung der intellektuellen Leistungsfähigkeit
des Kindes zur Abgrenzung einer ADS Diagnostik von z.B. einer Lernbehinderung
oder einer Hochbegabung. Entwicklungstests können eine zuverlässige
Einschätzung dafür bieten, ob ein Kind altersgerecht entwickelt
ist.
Testverfahren zur Überprüfung der Konzentrationsleistungsfähigkeit
ermöglichen eine objektive Aussage über den Entwicklungsstand
beim Kind. Für die ADS-Diagnostik sind darüber hinaus
Tests, welche eine Interferenzaufgabe beinhalten, unerlässlich.
Damit kann die (externe) Ablenkbarkeit des Kindes überprüft
werden.
Therapie
Nach erfolgter Diagnostik sollte nach Möglichkeit mit dem behandelnden
Kinderarzt abgesprochen werden, ob und in welchem Umfang eine medikamentöse
Behandlung erforderlich ist.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten beinhalten:
Elternberatung: Die Elternberatung ist ein wichtiger Punkt in der
Therapie von ADS-Kindern. Oft ist bereits ein Teufelskreis entstanden,
in dem die Eltern kontinuierlich (und nicht bewusst) auf das unerwünschte
Verhalten des Kindes mit (leeren) Drohungen und / oder überzogenen
Strafmassnahmen reagieren. Zunächst wird den Eltern erklärt,
inwiefern sie dazu beitragen, dass das unerwünschte Verhalten
des Kindes aufrechterhalten wird. Anschliessend werden mit ihnen
gemeinsam diejenigen Punkte herausgearbeitet, welche in der aktuellen
Situation den grössten Leidensdruck verursachen, da hier unmittelbarer
Handlungsbedarf besteht. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch
die Formulierung von Teilzielen, um Erfolge für die Eltern
transparent zu machen. In den meisten Fällen eignet sich ein
gut strukturierter, individuell ausgearbeiteter Verstärkerplan
um die häusliche Situation
a) zu „entschärfen“ und
b) den Eltern Möglichkeiten aufzuzeigen, auf ihr Kind (wieder)
positiv einwirken zu können.
Punkt b) ist besonders wichtig, da in vielen Familien
das auffällige Kind den Alltag bereits bestimmt und damit eine
Position hat, die ihm nicht angemessen ist und mit der es zudem
überfordert ist. Die Eltern stehen ihrem „Wirbelwind“
oft machtlos gegenüber und sind zu der Überzeugung gelangt,
dass „es ja sowieso keinen Zweck hat“ und dass sie „nichts
tun können“. Somit sind sie ihrer Familiensituation hilflos
ausgeliefert.
Konzentrations- und Leistungstrainings: Kinder, die zunächst
nicht gruppenfähig sind, werden in Einzeltraining auf das Gruppentraining
vorbereitet. Bitte sprechen Sie mich hierzu persönlich an.
Therapeutisches Reiten / Training von Sozialkompetenz:
Die Arbeit mit und auf dem Pferd hat sich in verschiedenen
Bereichen bewährt: Die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
werden durch gezielte Übungen geschult. Nach erfolgtem Aufbau
einer Beziehung zwischen Kind und Pferd stellt das Tier einen stabilen
Beziehungspartner dar. Dies ist für viele Kinder sehr wichtig,
da sie zunächst die Erfahrung machen können, so akzeptiert
zu werden, wie sie sind. Im zweiten Schritt kann man dann bestehende
(unerwünschte) Verhaltensmuster aufzeigen und durchbrechen.
Der Partner Pferd spiegelt unbewusste Einstellungen und Emotionen:
Dazu eignen sich Gruppen- oder Führungstrainings mit dem Pferd.
Hier lernt das Kind, dass sein eigenes impulsives Verhalten nicht
den gewünschten Erfolg bringt. Auch Verbissenheit oder Ungeduld
werden von dem Pferd durch Davonlaufen oder ‚sich nicht mehr
von der Stelle rühren’ quittiert. Diese unmittelbare
Reaktion des Pferdes ist ehrlich ohne anzuklagen. Erst dadurch hat
das Kind (vielleicht zum ersten Mal) die Chance, sein Verhalten
zu ändern. Das „Aha-Erlebnis“ ist oft bahnbrechend
und versetzt die Kinder in ein glückliches Erstaunen. Die Kinder
erleben sich in diesem Training als kompetent und anerkannt. Sie
lernen, ihr Verhalten über einen längeren Zeitraum zu
kontrollieren und zielgerichtet zu steuern.
Abhängig vom Schweregrad des ADS-Syndroms sind nicht immer
alle Bausteine des Trainings notwendig.
Literatur:
Leitfaden ads/adhas. Informationsbroschüre des Hamburger Arbeitskreises.
Zu beziehen direkt beim Hamburger Arbeitskreis ADS/ADHS, 22373 Hamburg.
Hamburger.Arbeitskreis.ADHS@web.de
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