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Hochbegabung

Was ist Hochbegabung?

Jemand der hochbegabt ist, hat einen Intelligenzquotienten von 130 oder höher [Normbereich: 85 – 115]. Den Bereich zwischen 120 und 130 bezeichnet man als hochintelligent.

Der Anteil der Hochbegabten an der Gesamtbevölkerung liegt bei 2-3%. Hochbegabte zeichnen sich durch eine schnelle Auffassungsgabe aus („Schnelldenker“), lernen schneller als andere und verfügen über sehr gute Gedächtnisleistungen. Sowohl das räumliche als auch das logische Denken sind weiter entwickelt als bei Altersgenossen.

Oftmals sind sie selbstkritisch, streben nach Perfektion und sind mit ihren Ergebnissen nur selten zufrieden. Häufig setzen sie sich mit „Erwachsenenthemen“ (Religion, Philosophie, Politik, Umweltfragen, Ethik, Gerechtigkeit in der Welt) auseinander. Meist erleben sie sich selbst "anders als Andere", ohne zu wissen, warum. In die Gruppe der Gleichaltrigen passen sie nicht hinein und geraten oft in eine Außenseiterposition aus der sie nicht mehr herauskommen. In schlimmen Fällen werden sie von Mitschülern „gemobbt“. Oft suchen sie den Kontakt zu Älteren oder zu Erwachsenen, da sie sich hier besser verstanden fühlen.

Ein hochbegabtes Kind fällt im Schulunterricht nicht zwangsläufig durch gute Leistungen auf. Im Gegenteil: Einige verweigern sich, oder werden verhaltensauffällig. Andere äussern ihre Langeweile in Albernheiten und werden unruhig („zappelig“, „Klassenclown“). Einige träumen vor sich hin und verlieren das Interesse am Unterricht. Manche Kinder erklären wiederholt "Mir ist langweilig. Wir wiederholen viel zu oft". Anhaltende Unterforderung kann zu schlechten Schulleistungen führen. Eltern und Lehrer führen dies oft auf "Faulheit" zurück. Tatsächlich haben die Kinder die Motivation verloren, oder sie werden zu "Minimalisten" und quälen sich durch die Schulzeit.  In jedem Fall bleiben sie so immer unter ihren Möglichkeiten und schöpfen ihr überdurchschnittliches Potential nicht aus. („underachievers“).
Dies sind nur einige Merkmale, die auf eine Hochbegabung hinweisen können. Ein anerkanntes Testverfahren – durchgeführt von einem dafür ausgebildeten Dipl.-Psychologen – bietet Sicherheit.

Für die Eltern und die Erzieher / Lehrer ist es wichtig, Gewissheit zu haben. Dies ermöglicht ihnen einen anderen Umgang mit dem Kind. Die Ungewissheit: „Ist mein Kind nun hochbegabt oder nicht und darf ich höhere Anforderungen stellen oder überfordere ich es dann?“ ist sowohl für das Kind als auch für die Eltern eine Belastung. Die Eltern werden in ihrem Erziehungsverhalten unsicher, haben Schwierigkeiten Regeln aufzustellen oder einzuhalten und fragen sich, ob sie ihrem Kind überhaupt noch gerecht werden können. Egal wie das Ergebnis der Testung ausfällt, die Eltern (und das Kind) haben Klarheit und viele Eltern können ihr Kind anschließend aus einer anderen Perspektive sehen.

Wie sieht die Testung aus?

In meiner Praxis führe ich zunächst ein Elterngespräch, in dem die Eltern über ihr Kind berichten: Wie war die frühkindliche Entwicklung? Welche Hinweise gibt es auf eine mögliche Unter- oder Überforderung? Was ist auffällig an dem Kind? Gibt es problematische Verhaltensweisen? Das Erstgespräch wird nur mit den Eltern (oder mit einem Elternteil) durchgeführt, da ein (kleines) Kind sich sonst regelrecht problematisiert fühlen könnte.
Dann folgen zwei bis vier Testtermine, welche mit dem Kind alleine durchgeführt werden. Im ersten Testtermin gebe ich dem Kind die Möglichkeit, sich mit der Situation vertraut zu machen und mich und die Räumlichkeiten kennenzulernen. Darüber hinaus gibt es „spannende Aufgaben“ oder „Rätsel“ zu lösen. In der Regel kommen die Kinder zum zweiten Testtermin entspannt und oft in freudiger Erwartung. Nach jedem Testtermin mache ich eine Zwischenauswertung der Ergebnisse um zu sehen, ob es Besonderheiten gibt und um zu wissen, worauf ich beim nächsten Testtermin besonders achten sollte bzw. was ich noch testen will.
Das Abschlussgespräch führe ich wiederum mit den Eltern (ohne das Kind) durch. Hier wird der Test genau erklärt (Aufbau, Inhalte, Konzepte) und natürlich das Ergebnis sowie die daraus resultierenden Konsequenzen. Falls sinnvoll, werden Fördermöglichkeiten angeboten und diskutiert. Für die Eltern ist häufig wichtig zu erfahren, wie sie mit ihrem Kind umgehen sollten/können (Welche Anforderungen dürfen gestellt werden? Wie begegne ich den nie enden wollenden Forderungen meines Kindes?). Falls sinnvoll oder erforderlich, kann das Kind natürlich beim Abschlussgespräch dabei sein.

Wie bereiten Sie ihr Kind auf den Test vor?

Das Wort „Test“ sollte vermieden werden. Es genügt einem (kleinen) Kind zu erklären „Ich möchte gerne mal wissen, was du schon alles weißt und kannst. Ich habe nun eine Person gefunden, die das herausfinden kann. Vielleicht hast du ja Lust, dir das mal anzusehen. Es gibt dort Aufgaben und Rätsel, die speziell für Kinder gemacht wurden und die den meisten Kindern sehr viel Spass machen. Versuch es einmal.“
Die Terminvergabe für das Erstgespräch kann in der Regel innerhalb einer Woche erfolgen. Weitere Termine werden ebenfalls meist im wöchentlichen Abstand vergeben.
Die Kosten für eine Diagnostik werden von den Eltern getragen. Bitte sprechen Sie mich dazu persönlich an.

Was ist mit speziellen Begabungen/Neigungen?

Heute fallen viele Kinder durch Teilleistungsstärken auf. Dies bedeutet, dass sie nicht in allen Bereichen hochbegabt sind, sondern, dass sie in einem Intelligenztest dadurch auffallen, dass sie in einigen Untertests weit überdurchschnittlich abschneiden, während sie in den anderen durchschnittliche Werte erzielen. Diese Kinder halten sich selbst oftmals für nicht besonders klug, da sie ihre eigene „interne Messlatte“ sehr hoch anlegen und manchmal auch noch sehr selbstkritisch sind. Auch hier ist ein Test sinnvoll und angezeigt, um dem Kind und den Eltern die Möglichkeit zu geben, die Stärken zu relativieren („Wie hoch dürfen denn z.B. in Mathematik die Anforderungen sein?“) und um dem Kind helfen zu können, mit seinen Frustrationen umzugehen. Da dem Kind seine Fähigkeiten in der Regel gar nicht bewusst sind, ist es durch die Bereiche, in denen es eine besondere Begabung hat „erfolgsverwöhnt“. Dadurch wird häufig die Anstrengungsbereitschaft geringer. Andere Bereiche können altersgerecht entwickelt sein und das Kind muss sich in diesen Bereichen sogar anstrengen, um ein gutes oder durchschnittliches Ergebnis zu erzielen. Die Mühe und Ausdauer, die das Kind aufgebracht hat steht jedoch – aus der Sicht des Kindes – nicht im Verhältnis zum Ergebnis. Dies kann zu einem erheblichen Motivationsverlust führen, da dem Kind diese Zusammenhänge nicht klar sind. Die Aufforderung der Eltern „Du musst dich nur anstrengen und üben, dann wirst du besser“ bringt womöglich noch mehr Verwirrung, da sie den erwarteten Erfolg gar nicht bringen kann. Spätestens dann sind Eltern, Lehrer und Kind frustriert und ratlos.