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Traumatherapie

Was ist ein Trauma?

Trauma (griechisch, Wunde)

ist eine seelische Wunde oder Verletzung, die auf einzelne oder mehrere Ereignisse zurück geht. Der Mensch gerät durch das Erlebnis in einen Zustand von extremer Angst und Hilflosigkeit und die Verarbeitungsmöglichkeiten sind überfordert.

Ein traumatisches Erlebnis ist eine lebensbedrohende Situation, in der das Gehirn alle unnötigen Wahrnehmungen und Handlungen stilllegt und überlebenswichtige Handlungen, wie den Fluchtreflex oder auch das Erstarren auslöst. Es schaltet sozusagen von gezieltem Verhalten auf instinktives Verhalten, wie man es aus dem Tierreich kennt, um. Der Körper ist dann zum Erstarren, Kampf oder zur Flucht bereit.

Man unterscheidet zwei Arten von Traumatypen:
Typ I: Einmaliges Trauma (Autounfall, Flugzeugunglück, plötzlicher Tod eines nahe stehenden Menschen). Kann auch durch zuschauen ausgelöst werden.
Typ II: Situationen, die über längere Zeit andauern (häusliche Gewalt, Missbrauch, Mobbing, Krieg)

Traumatisiert werden nicht nur Opfer, sondern oft auch Zeugen oder Helfer, wie z.B. Mitarbeiter von Rettungsdiensten oder Polizisten. Oft erleben die Helfer schwierige Situationen oder sehen Dinge, die ihnen „nicht mehr aus dem Kopf gehen“. Auch schwere Erkrankungen oder der Tod naher Angehöriger können traumatisierend wirken. Zum anderen können auch Beziehungsbelastungen Traumata hervorrufen, insbesondere wenn sie über einen längern Zeitraum andauern. Hier sind z. B. emotionale Vernachlässigung, Verlassenheits-Erfahrungen, Verwahrlosung, Stalking, Ausgrenzung und Mobbing, Doublebind-Kommunikation (widersprüchliche Botschaften und Beziehungsfallen) oder vielfach wiederholte Negativ-Botschaften von wichtigen Bezugspersonen zu nennen.

Was passiert im Gehirn bei einem Trauma?

Bei gewöhnlichen Erfahrungen werden alle Sinneseindrücke mit Hilfe der Großhirnrinde interpretiert, eingeordnet, in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht und gegebenenfalls unter Einwirkung der Amygdala (der Mandelkern, unser „emotionales Gehirn“) mit einer gefühlsmäßigen Färbung versehen. Schließlich wird  die Erfahrung im Langzeitgedächtnis abgelegt.

Bei traumatischen Erfahrungen funktioniert dies nicht: Die Sinneseindrücke überschwemmen das Gehirn und die Gefühle sind überwältigend. Die Amygdala übernimmt die Kontrolle und „verordnet“ archaische Reaktionsmuster wie „Einfrieren“, Flucht oder Kampf. Die Großhirnrinde wird also in der Befehlskette übergangen, häufig werden auch die Sprachzentren außer Funktion gesetzt. Die Erinnerung kann nicht integriert, bzw. in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden. Auch findet kein Ablegen im Langzeitgedächtnis statt. Dennoch bleiben alle Erinnerungen erhalten – und zwar in der Amygdala. Dort „leben“ sie fragmentiert und unverbunden weiter. Dies bezieht sich auf Bilder, Gerüche, Geräusche und Empfindungen, die während des Traumas erlebt wurden. In der Folge kann dann ein ähnlicher oder gleicher Geruch, ein Geräusch, oder ein Bild die gesamte Reaktionskette einschließlich des Angsterlebens und der Hilflosigkeit erneut auslösen, da es im Moment des tramatischen Erlebens zu einer Kopplung zwischen äußeren Reizen und (Anst)Gefühlen gekommen ist. Da das emotionale Gedächtnis (Amygdala) ohne jeglichen Zeitbezug arbeitet, also sozusagen Zeit nicht kennt, kommt es bei posttraumatischem Erleben nicht nur zu den gleichen Gefühlen sondern auch die Intensität ist gleich. Jede Erinnerung fühlt sich genauso an wie beim ersten Mal: man ist blockiert, verwirrt, hilflos... genauso wie es im ursprünglichen Erlebnis auch war. Die Empfindung, dass das alles vorbei ist, fehlt. Viele erleben sich als unfähig über das erlebte zu sprechen, als sprach-los, was durch die Blockade des Sprachzentrums ausgelöst wurde.

Reaktionen auf ein Trauma können sein:

  • Vegetative Übererregbarkeit. Schlafstörungen, Überwachsamkeit, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Schwitzen
  • Flashbacks und Albträume (Intrusionen von Gedanken und Gefühlen)
  • Depressionen und Selbstzweifel
  • Dicht-machen und Abschotten / intensive Auseinandersetzung mit dem Thema
  • Vermeideverhalten und allgemeiner Taubheitszustand
  • Gefühl von Ohnmacht
  • Sprachlosigkeit (das Sprachzentrum ist vorübergehend blockiert)
  • Stimmungsschwankungen

Folgen eines Traumas können sein:

  • Persönlichkeitsstörungen
  • schlechte Selbstregulation (Schwierigkeiten sich zu entspannen, mit Emotionen umzugehen, Bedürfnisse zu fühlen und diese adäquat zu erfüllen etc.)
  • Hohe und dauerhafte Aktivierung des Nervensystems (Dauerstress)
  • oder ständiger Zustand in „Submission“ (Unterwerfung): Schwierigkeiten, sich abzugrenzen; „Nein“ zu sagen; für sich einzustehen; andere zu enttäuschen etc.)
  • Wenig Modulationsfähigkeit des Nervensystems (starre und unflexible Reaktionen; Schwierigkeiten, sich an neue oder unvorhergesehene Situationen anzupassen etc.)
  • Geringe Stressresistenz
  • Beziehungsstörungen (Angst vor Nähe; Stress mit Sexualität; Vermeideverhalten; Zynismus; Ironie; Symbiotisches Verhalten oder inneres Alleinsein etc.)

Traumatisches Ereignis und Traumatisierung

Obwohl das traumatisierende Erlebnis in seiner Wirkung von einer gewissen Stärke gewesen sein muss und einen bleibenden, nachhaltigen Eindruck bei der betroffenen Person hinterlassen hat, kann es sein, dass sich die betroffene Person dessen weder zum Zeitpunkt des Erlebens noch später bewusst ist.

Weiterhin kann es sein, dass das Erlebnis dauerhaft oder über lange Zeit gänzlich vergessen / verdrängt wird, ohne die eigene schwere Kränkung bzw. seelische Verletzung gegenwärtig wahrzunehmen.

Wichtig ist auch, einen klaren Unterschied machen, zwischen einem traumatischen Ereignis und einer Traumatisierung. Nicht jedes traumatische Ereignis führt bei allen Menschen zu einer Traumatisierung. Andererseits gibt es eben Ereignisse, die normalerweise niemand als traumatisch definieren würde, wie z.B. Operationen, eine schwere Geburt, ein Sturz, ein Zahnarztbesuch, eine Trennung oder andere Ereignisse, die einfach Teil unseres Lebens sind und die trotzdem traumatisch für Menschen sein können.
Peter Levine, einer der Pioniere der Körperorientierten Traumapsychotherapie, hat festgestellt, dass man ein Trauma nie an einem Ereignis festmachen kann, sondern nur an der Reaktion der Betroffenen. Deshalb ist seine Definition von Trauma auch wesentlich offener:
Zu viel           zu schnell           zu plötzlich
Letztendlich tritt eine traumatische Reaktion ein, wenn das Bewältigungssystem eines Menschen vollkommen überfordert ist und er oder sie sich hilflos und überwältigt fühlt.

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